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5 Ansätze für die praktische Anwendung des Agorismus in deinem Leben
Agorismus 29. Dezember 2024 7 Min.

5 Ansätze für die praktische Anwendung des Agorismus in deinem Leben

Praktische Tipps und Strategien, wie du Agorismus in deinem Alltag umsetzen kannst.

Agorismus Counter-Ökonomie Selbstbestimmung Dezentralisierung

Der Agorismus ist eine anarchistische Philosophie und Strategie, die sich für den Einsatz von freiwilligem Austausch, Counter-Ökonomie und dezentralisierten Technologien als Mittel zur Errichtung einer freien und friedlichen Gesellschaft einsetzt. Er basiert auf der Überzeugung, dass der Einzelne das Recht hat seine eigenen Entscheidungen zu treffen und zwar ohne Einmischung der Regierung oder anderer zentraler Behörden. Jeder der schon einmal etwas auf einem Flohmarkt gekauft oder verkauft oder einen Freund oder Bekannten direkt für eine Dienstleistung bezahlt hat, konnte diese Prinzipien bereits im eigenen Leben entdecken.

Doch wie genau können wir diese Philosophie intensiver in unserem Leben integrieren? Wir haben einmal 5 Schritte zusammengestellt, die jeder von uns mit ein wenig Zeit und Vorbereitung umsetzen kann.

Schritt 1: Bilde dich weiter

Der erste Schritt auf dem Weg zu einem agoristischen Lebensstil besteht darin, sich mit den Prinzipien und Ideen des Agorismus vertraut zu machen. Lese Bücher und Artikel auf dieser Seite sowie von Autoren wie Samuel Konkin und Derrick Broze. Höre Podcasts und schaue dir Videos an, in denen das Konzept des Agorismus und seine Anwendung im Alltag diskutiert werden. Je mehr du über Agorismus weißt, desto besser kannst du ihn in deinem eigenen Leben umsetzen.

Informiere dich über die Mechanismen unserer Gesellschaft. Versuche, dir einen Überblick darüber zu verschaffen, wofür dein Geld und deine Steuern verwendet werden und welche Organisationen und Menschen du damit unterstützt. Letztlich bedeutet Agorismus, Dinge selbst zu Ende zu denken. Wenn du dir über deine persönlichen Werte und Prinzipien im Klaren bist, hast du eine solide Grundlage für deine Lebensentscheidungen. Der zweite Schritt ist die eigenständige und selbstkritische Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft. Dies betrifft alle Lebensbereiche, von der Bildung und Politik über die Medien bis hin zum Gesundheitswesen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der uns zentrale Institutionen wie die Bundesregierung, die WHO oder Bertelsmann vorgeben, wie wir in diesen Bereichen zu leben und zu denken haben. Auf unserer Seite findest du bereits eine ausführliche Untersuchung der deutschen Medienlandschaft und des staatlichen Schulsystems auf Basis dieser Gesichtspunkte. Hinterfrage selbstkritisch, auf welcher Basis du deine Lebensentscheidungen triffst. Woher beziehst du deine Informationen, wer sind die Entscheidungsträger und wie werden sie finanziert? Welche Eigeninteressen haben diese Quellen und mit wem arbeiten sie zusammen? Stimmt das mit deinen eigenen Überzeugungen überein?

Schritt 2: Steige aus gesellschaftspolitischen Systemen aus, die nicht mit deinen eigenen Werten und Prinzipien übereinstimmen

Ein Grundgedanke des Agorismus ist die Ablehnung unmoralischer, zentral gesteuerter Systeme. Das bedeutet, dass man sich von Programmen, Organisationen und Dienstleistungen, die auf der Grundlage von Gewalt und Nötigung umgesetzt werden und nicht den eigenen Werten und Prinzipien entsprechen, so weit wie möglich abwendet.

Da es jedoch keinen Ort auf dieser Welt gibt, der nicht dem allgegenwärtigen Staatsglauben verfallen ist, muss man sich immer zumindest teilweise den Regeln und Gesetzen einer illegitimen staatlichen Gruppe von Regierenden unterwerfen. Ein völliger Ausstieg aus unmoralischen Systemen ist somit nicht möglich. Wer nicht als Einsiedler und Selbstversorger in der Natur lebt, ist gezwungen, an der etatistischen Gesellschaft teilzunehmen, Steuern zu zahlen und den neuesten Regeln und Gesetzen so weit zu folgen, dass keine Schwierigkeiten mit der staatlichen Exekutive entstehen. In Zeiten zunehmender totalitärer Regime und Überwachung der Bevölkerung wird dies wahrscheinlich nicht einfacher werden. Dennoch haben wir einige Möglichkeiten.

Anstatt dich direkt beim Staat anzustellen und dieses auf Gewalt und Zwang basierende System aktiv zu unterstützen, solltest du einen Job suchen, der deinen Werten mehr entspricht, oder dich selbstständig machen. Uns ist bewusst, dass dies aus finanziellen Gründen für manche ein sehr schwieriges Unterfangen sein kann. Gehe einfach Schritt für Schritt vor und lote dabei deine Möglichkeiten aus. Verlasse dich nicht auf das staatliche Gesundheitssystem, sondern informiere dich über alternative Methoden und hole dir andere Meinungen ein. Kündige deine Abonnements bei den großen Medienanstalten, die diese kranke Gesellschaft aktiv mitgestalten. Schau am besten gar kein Fernsehen mehr und informiere dich selbst aktiv im Internet. Auch wenn die Regierenden, die das Narrativ der Bevölkerung bestimmen möchten, mit ihrem Zensurzwahn auch vor dem Internet keinen Halt machen, findet man immer noch zahlreiche dezentrale und freie Informationen auf den diversen Internetplattformen.

Du kannst dich auch von anderen zentralisierten Systemen wie dem Bank- und Finanzwesen abwenden. Das traditionelle Bankensystem ist darauf ausgerichtet, Banken und Regierungen reicher zu machen und den Einzelnen in ungleiche Abhängigkeiten zu bringen. Versuche, Kredite bei Banken zu vermeiden, und investiere dein Geld anderweitig. Kryptowährungen wie Bitcoin oder Monero sind eine Alternative: Sie sind dezentral, sicher und zumindest freier von staatlicher Kontrolle. Mit Kryptowährungen kannst du einkaufen, Geld überweisen und Werte speichern, ohne auf zentrale Vermittler angewiesen zu sein. Im Internet findest du dazu reichlich Informationen, und jetzt, wo du all deine Abonnements bei Netflix, SZ, Zeit und Co. gekündigt hast, wirst du sogar Zeit finden, selbst zu recherchieren.

Das grundsätzliche Ziel deiner Handlungen sollte es sein, deine Abhängigkeit von zentralen Institutionen zu verringern und dein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Schritt 3: Betreibe Counter-Ökonomie

Counter-Ökonomie bezeichnet die Praxis des freiwilligen Austauschs, der außerhalb des wachsamen staatlichen Auges stattfindet. Dazu gehört der friedliche Tauschhandel von Waren und Dienstleistungen jeglicher Art, der nicht von staatlichen Regulierungen oder Versteuerung beeinflusst wird. Diese Aktivitäten werden von allen Geschäftspartnern freiwillig umgesetzt und schaden anderen Menschen nicht gezielt. Wenn du an counter-ökonomischen Geschäften teilnimmst, kannst du lokale Unternehmen und Einzelpersonen unterstützen. Gleichzeitig lebst du im Einklang mit deinen Werten und Prinzipien, weil du nicht durch das Zahlen von Steuern an einem unmoralischen System mitwirkst. Wusstest du beispielsweise, dass fast ein Viertel der bundesstaatlichen Steuer-Einnahmen 2025 dem Militär zugerechnet werden? Damit fließen über 80 Milliarden Euro in Kriegsvorbereitungen.

Kaufe beispielsweise deine Eier, dein Obst und dein Gemüse steuerfrei beim lokalen Bauern ein. Damit unterstützt du deine Nachbarschaft und finanzierst keine unmoralischen Systeme. Wenn du selbst handwerkliche Dienstleistungen anbietest oder in Anspruch nimmst, schlage bei passender Gelegenheit vor, auf die Steuer zu verzichten. Das ist in der Regel eine Win-win-Situation für beide Parteien und funktioniert vom Hotelgewerbe über Einzelgeschäfte bis hin zum Handwerk fast überall. Handle nach deinen eigenen Vorstellungen und denke wie ein Counter-Ökonom!

Schritt 4: Nutze dezentrale Technologien

Zusätzlich zur Counter-Ökonomie kannst du auch dezentrale Marktplätze und Peer-to-Peer-Netzwerke unterstützen. Auch wenn es in Europa noch keine adäquaten Plattformen wie in Amerika (Open Bazaar & Bitmarkets) gibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich aufgrund der zunehmenden Regulierung auch solche Plattformen in Europa entwickeln. Sie ermöglichen es den Nutzern, Waren und Dienstleistungen zu kaufen und zu verkaufen, ohne dass eine zentrale Autorität erforderlich ist. Durch die Nutzung dieser Plattformen können kleine Unternehmen und unabhängige Verkäufer unterstützt werden. Gleichzeitig übernimmst du die Kontrolle über deine Kaufentscheidungen.

Dezentrale Technologien sind Instrumente, die es Einzelpersonen ermöglichen, miteinander zu kommunizieren, Werte auszutauschen und zu interagieren, ohne dass zentrale Vermittler erforderlich sind. Dazu gehören die Blockchain-Technologie, Peer-to-Peer-Netzwerke und dezentralisierte Social-Media-Plattformen. Durch die Nutzung dieser Technologien kannst du deine Abhängigkeit von zentralen Behörden verringern und die Kontrolle über deine Daten und deine Online-Identität übernehmen. Es gibt mittlerweile Unternehmen wie AbovePhone, die sich auf die Bereitstellung von Smartphones und Laptops mit datenschutzfreundlichen Betriebssystemen und Anwendungen spezialisiert haben, um Nutzern mehr Kontrolle über ihre Daten zu ermöglichen. Verzichte in deinem Haushalt auf sprachgesteuerte Smart-Home-Systeme, da diese den Big-Tech-Unternehmen noch mehr Daten über das Nutzerverhalten ihrer Konsumenten liefern.

Schritt 5: Baue ein agoristisches Netzwerk auf

Für die erfolgreiche Anwendung der agoristischen Philosophie im eigenen täglichen Leben ist der Aufbau eines Unterstützungsnetzwerks von Gleichgesinnten von entscheidender Bedeutung. Dies kann durch den Beitritt zu Online-Communities, die Teilnahme an Treffen oder die Gründung einer eigenen lokalen Gruppe erfolgen. Durch den Zusammenschluss mit Gleichgesinnten können Ideen ausgetauscht, voneinander gelernt und sich gegenseitig auf dem Weg in die Autonomie unterstützt werden.

Ein Unterstützungsnetzwerk ist besonders wichtig, wenn man vor Herausforderungen und Hindernissen steht. So kann es beispielsweise riskant und in manchen Fällen illegal sein, sich in der Counter-Ökonomie zu engagieren. Daher ist es wichtig, ein Netzwerk von Menschen zu haben, die Rat und Unterstützung bieten können. Außerdem können einige dezentrale Technologien schwierig zu bedienen sein oder technisches Wissen erfordern. In solchen Fällen kann es von Vorteil sein, auf eine Gemeinschaft von Nutzern zurückgreifen zu können. Zudem kann es immer wieder zu künstlich geschaffenen Ausnahmesituationen kommen, wie Krieg, Lockdowns oder Blackouts. In solchen Zeiten ist es besonders ratsam, einen verlässlichen Freundeskreis zu haben, der einen mit Rat und Tat unterstützt.

Ein Beispiel ist die Website freedomcells.org, die sich der Förderung und Organisation dezentraler, autonomer Gruppen widmet. Diese “Freedom Cells” sind so konzipiert, dass sie sich selbst organisieren, autark sind und auf den Prinzipien gegenseitiger Hilfe, freiwilligen Zusammenschlusses und Nicht-Aggression basieren. Ziel ist es, eine freiere und gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Die Website bietet eine Plattform, auf der sich Einzelpersonen und Gruppen vernetzen, zusammenarbeiten und Ressourcen zur Unterstützung dieser Ziele austauschen können. Obwohl dieses Konzept ursprünglich aus den USA stammt, gibt es inzwischen auch Freedom Cells in vielen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die Website ist benutzerfreundlich gestaltet und bietet eine Fülle von Ressourcen, um sich im Freedom-Cell-Netzwerk zu engagieren. Egal, ob man ein erfahrener Aktivist ist oder einfach nur mit Gleichgesinnten in Kontakt treten möchte.

Der Agorismus bietet eine starke Alternative zu den zentralisierten Systemen, die die moderne Gesellschaft beherrschen. Durch den Ausstieg aus dem zentralen System, die Counter-Ökonomie und den Einsatz dezentraler Technologien kann der Einzelne die Kontrolle über sein eigenes Leben übernehmen und eine friedlichere und freiere Gesellschaft aufbauen. Die Anwendung des Agorismus im täglichen Leben erfordert jedoch Bildung, Hingabe und Unterstützung. Wenn du die in diesem Artikel beschriebenen Schritte befolgst, kannst du deine agoristische Reise beginnen und dabei helfen, eine freiere und friedlichere Welt zu schaffen.