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Die Wiederentdeckung unserer indigenen Essenz
Mensch & Natur 16. Januar 2026 9 Min.

Die Wiederentdeckung unserer indigenen Essenz

Eine Reise zur Wiederentdeckung unserer indigenen Essenz und der tiefen Verbindung zur Natur.

Indigene Essenz Bewusstsein Spiritualität Selbstbestimmung

Wenn wir nun verstanden haben, dass es eine weitaus tiefgründigere und schlüssigere Deutung des Begriffes Indigen gibt, als uns die Gesellschaft vorgibt. Eine Erklärung, die uns wieder näher mit uns selbst verbindet und uns mit einer Anleitung für langfristiges Glück und Sinnhaftigkeit versorgt. Dessen Deutung jedoch keineswegs neu ist, sondern vielmehr eine sprachliche Neufassung der antiken Weisheitslehren aller indigenen Völker dieser Welt darstellt.

Wenn wir ebenso bereit sind, auf Grundlage dieser intuitiven und logischen Deutung des Begriffes Indigen, eine ehrliche Bestandsaufnahme unserer eigenen Lebensweise und der gegenwärtigen Gesellschaft vorzunehmen. Dann können wir ernsthaft daran arbeiten uns von Verblendungen zu lösen und unser Leben wieder in Richtung Glück und Sinnhaftigkeit auszurichten. Für diesen Prozess haben wir die indigene und die exogene Lebensweise gegenübergestellt und versucht weitestgehend zu beschreiben. Damit haben wir einen Raum geschaffen, in dem wir unsere eigenen Denk- und Handlungsmuster einordnen können. Auf dieser Basis können wir uns nun handfeste Gedanken machen, was wir an unserer Lebensweise ändern können, um uns wieder in Richtung einer indigenen Existenz zu bewegen. Dieser Artikel liefert einige Überlegungen und Ansätze für diese Bewusstwerdung.

Erkenne die Schatten an der Wand

In Platons berühmtem Höhlengleichnis sitzen Menschen seit ihrer Geburt gefesselt in einer Höhle. Sie sehen nur Schatten an der Wand, verursacht durch Dinge, die hinter ihnen an einem Feuer vorbeigetragen werden. Sie betrachten die Fesseln als normal, da sie nichts anderes kennen, und halten die Schatten für die Wirklichkeit. Erst als einer der Gefangenen befreit wird und sich aus der Höhle hinaus ins Licht bewegt, erkennt er, dass seine bisherige Realität eine Illusion war.

Mit seiner Allegorie beschreibt Platon den Zustand exogener Existenz in perfekter Weise. Die Gefangenen sind vollständig nach außen orientiert. Ihre Wahrnehmung, ihre Bedeutungszuschreibungen und ihr Selbstverständnis werden von außen erzeugt. Die Schatten an der Wand werden ihnen präsentiert und die Gefangenen beziehen Sinn, Sicherheit und Orientierung aus diesen Projektionen. Dabei sind die Ketten der Gefangenen in Wahrheit psychische Abhängigkeiten, wie das Bedürfnis nach Anerkennung oder die Angst vor Abweichung und das Vertrauen in äußere Autoritäten. Dieses zeitlose Modell gesellschaftlicher Fremdbestimmung lässt sich auch auf unsere moderne Gesellschaft übertragen. Die Höhle der modernen Welt ist allgegenwärtig. Sie reicht von der Wiege bis zum Grab, von der Schule über den Arbeitsplatz bis zur digitalen Selbstinszenierung. Die Ketten sind nicht aus Eisen, sondern bestehen aus Gesellschaftsverträgen, Bildungsplänen, Wahlsystemen, Leistungskennzahlen, Steuern, Versicherungen, Krediten und sozialen Erwartungen. Der moderne Mensch ist nicht gefesselt, weil er keine Wahl hat, sondern weil ihm nie beigebracht wurde, ohne äußere Orientierung zu existieren.

In einer solchen Gesellschaft funktionieren Staaten, Konzerne und globale Institutionen nicht primär durch Zwang, sondern durch die Delegation von Verantwortung. Der Mensch übergibt sein Urteilsvermögen an Systeme, die behaupten, es besser zu wissen. Glück wird in Form von Vergnügen simuliert. Externe Ablenkungen ersetzen den inneren Frieden. Je leerer der innere Raum ist, desto lauter müssen die äußeren Reize sein. Die Gesellschaft produziert systematisch Bedürftigkeit, um sie anschließend zu befriedigen. So entsteht der exogene Mensch: jemand, der denkt, fühlt und entscheidet, weil es von ihm erwartet wird, nicht weil es aus ihm selbst hervorgeht.

Die globalisierte Höhle verfolgt das klare Ziel der Kontrolle und Vorhersagbarkeit. Menschen sollen berechenbar, steuerbar und optimierbar sein. Exogene Existenz ist dafür ideal. In dieser Existenzweise reflektieren Menschen ihre Wahrnehmung nach außen.

Um den Ausstieg aus der Höhle zu wagen, ist es deshalb entscheidend, die Schatten an der Wand als das zu erkennen, was sie sind. Mediale Berichterstattung, politische Bühnen, Social Media, Hollywood, Massenentertainment und all diese externen Ablenkungen und Reize dienen dazu, deine Wahrnehmung zu steuern und dich in einer exogenen Existenzweise zu halten. Wenn man den Geist kontrollieren und steuern möchte, muss er ständig abgelenkt werden.

Indigene Glücksfähigkeit wäre gefährlich, denn ein Mensch, der aus sich selbst heraus zufrieden ist, konsumiert nicht zwanghaft, gehorcht nicht aus Angst und ist nicht beliebig steuerbar. Eine indigene Existenz folgt keinem Gesetz, keiner Statistik, keinem Markt und keiner Ideologie. Sie ist nicht kompatibel mit totaler Kontrolle.

Das heißt jedoch nicht, dass du von heute auf morgen alle materialistischen Begehren und weltlichen Vergnügen aufgeben und den ganzen Tag im Wald meditieren sollst. Es geht vielmehr um das Verständnis des eigenen menschlichen Geistes und der eigenen Handlungsmuster. Alles andere ergibt sich von allein. Hinterfrage jegliche Normen, Gesetze und gesellschaftlichen Traditionen. Definiere deine eigenen Werte und Prinzipien und lebe danach. Löse dich von Gedanken- und Handlungsmustern, die dich langfristig nicht glücklich machen — unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen und Konventionen. Erkenne die Schatten an der Wand.

Erzeuge Glück in deinem Leben

Versuche, Verhaltensweisen und Gewohnheiten in dein tägliches Leben zu integrieren, die dir Glück bereiten. Um es in einem naturwissenschaftlichen Kontext auszudrücken: Setze Serotonin in deinem Körper frei. Dieser neurochemische Botenstoff steht, wie bereits im vorherigen Artikel erörtert, in Verbindung mit der Erzeugung von Glück und Zufriedenheit.

Die stärksten natürlichen Serotonin-Booster sind körperliche Bewegung, Sonnenlicht, soziale Verbundenheit, Sinnhaftigkeit und Entspannung. Wenn das Wetter es zulässt und die Sonne scheint, geh raus an die frische Luft und bewege dich. Geh eine Runde Rad fahren, laufen oder schwimmen. Regelmäßige körperliche Bewegung hält zudem fit. Das allein macht jedoch noch keinen gesunden und glücklichen Geist aus. Ein gesunder Geist und Charakter machen jedoch das Beste aus dem, was die eigene Physis hergibt. Dabei muss man keinen Leistungssport betreiben. Vielmehr ist eine angemessene tägliche Bewegung von Nutzen.

Weitere Serotonin-Booster sind Sonnenlicht, Bewegung in der Natur und Meditation. Meditation ist ein Sammelbegriff für Techniken zur Selbstregulation von Aufmerksamkeit und Bewusstsein, die innere Ruhe und Klarheit fördern. Das bedeutet nicht, dass man zwangsläufig im Schneidersitz Richtung Himmel blicken muss, sondern Meditation kann individuell gelebt werden. Man kann beim Spazierengehen oder im Liegen meditieren. Entscheidend ist die bewusste Schulung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein. Jeder kann meditieren, auch Achtsamkeit und Kontemplation sind Formen der Meditation.

Was tägliche Bewegung, Sonnenlicht, Natur und Meditation verbindet, ist ein regelmäßiger Spaziergang im Park. Versuche, die Sonnenstunden dafür zu nutzen. Am besten machst du daraus eine wöchentliche Routine und gehst allein und ohne externe Beschallung durch Musik oder Podcasts. Nutze diese Zeit, um dich selbst zu reflektieren, und gib deinem Geist die Möglichkeit, sich für einen Moment zu beruhigen.

Ein weiterer entscheidender Aspekt ist ein gesunder Schlaf-Wach-Rhythmus. Serotonin ist eine Vorstufe von Melatonin, sodass regelmäßiger Schlaf den Serotoninhaushalt stabilisiert. Wenn du den natürlichen Tagesrhythmus deines Körpers einhältst, stellen sich biologische Prozesse wie Hormonausschüttung, Herz-Kreislauf-Gesundheit und Glukoseabbau richtig ein. Ein Leben im Einklang mit dem Sonnenzyklus, bei dem man früh zu Bett geht und früh aufsteht, ist der effektivste Weg, um in Harmonie mit der Natur zu leben. Ein gesunder Rhythmus ermöglicht es dem Körper, seinen eigenen “Wecker” zu entwickeln. Idealerweise sollte ein Mensch etwa sechs bis acht Stunden nach dem Einschlafen auf natürliche Weise aufwachen. Wenn man nachts aufwacht, deutet das darauf hin, dass man tagsüber möglicherweise nicht genug körperliche oder geistige Energie verbraucht hat. Ein gesunder Schlafrhythmus schärft letztlich unseren Geist, gibt uns mehr Lebensenergie und vereinfacht grundsätzlich alle weiteren Entscheidungen. Verzichte deshalb im Normalfall auf spätabendliche Partys, Alkohol und andere den Schlafrhythmus störende Verhaltensweisen. Schlage deinen “Partyfreunden” stattdessen ein Treffen am Tag vor, denn das verbindet in der Regel stärker als Feiern.

Ein weiterer Grundbaustein auf dem Weg zu einem glücklichen Leben ist die eigene kreative Schaffenskraft und ihre Verwirklichung. Kreatives Schaffen ist dabei mehr als nur ein Hobby: Es ist die Umwandlung der eigenen inneren Lebenskraft in neue Gedanken, Erfindungen und großartige Konzepte. Das eigene kreative Schaffen kann jegliche Form von Kunst, das Schreiben von Artikeln oder Büchern, die Arbeit mit Musik, das Malen und Zeichnen, das Arbeiten mit Holz oder das Erforschen neuer Konzepte umfassen. Die kreative Arbeit sollte nicht aus finanziellen oder intellektuellen Gründen erfolgen, sondern aus dem eigenen inneren Antrieb heraus und aus der eigenen Schaffenskraft gespeist werden. Finde die zu dir passende kreative Arbeit und probiere dich aus. Gib deiner inneren Schaffenskraft eine Möglichkeit, sich zu verwirklichen.

Arbeite an dir selbst

Das Konzept der indigenen und exogenen Existenzweise findet sich auch in den Arbeiten vieler prägender Psychoanalytiker wieder. So spricht beispielsweise der Begründer der Analytischen Psychologie, Carl Gustav Jung, von einem in der menschlichen Psyche verankerten grundlegenden Drang zur Heilung, den er als Individuationsprozess bezeichnet. Diese angeborene Heilungsintelligenz entspricht unserer indigenen Essenz. Da die indigene Existenzweise die natürlichste Form des menschlichen Seins ist, können wir persönliche Traumata und Verblendungen auflösen, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere innewohnende heilende Intelligenz richten. Auf dieser Grundidee basieren die Traumatherapie von Gabor Maté, die Bioenergetik nach Alexander Lowen und die transpersonale Psychologie nach Stanislav Grof. Wenn man sich näher mit diesen Ideen und Konzepten befasst, kann man sich mit den eigenen Traumata und Verblendungen auseinandersetzen und einen eigenen Weg der Heilung einschlagen.

Betrachtet man die antiken Sichtweisen und Praktiken aller indigenen Völker dieser Welt, so stellt man fest, dass unsere Vorfahren viel Zeit und Energie in die spirituelle Heilung investierten. Dabei kombinierten sie auf unterschiedliche Weise das Einnehmen von Entheogenen, das Trommeln und andere Perkussionsarten, Musik, Sprechgesang, rhythmischen Tanz, Veränderungen der Atemmuster und die Kultivierung spezieller Formen von Aufmerksamkeit. Wenn wir mit uns selbst in Harmonie leben wollen, ist es an der Zeit, diese Praktiken nicht länger als Unwissenheit, magisches Denken und primitiven Aberglauben zu betrachten, sondern das dogmatische materialistische Weltbild der modernen Gesellschaften zu überwinden.

Universelle Verbundenheit

Wie bereits in unserer Artikelserie über das Naturrecht erörtert, sind wir als gesamte Menschheit miteinander verbunden. Die Spaltung und Aufteilung der Menschheit ist dabei die größte exogene Kraft, die unsere Wahrnehmung nach außen richtet und uns auf augenscheinliche Unterschiede fokussiert. Je mehr Menschen nach einer indigenen Existenzweise streben, desto besser werden die Bedingungen für andere, es ihnen gleichzutun. In allen antiken Weisheitslehren findet sich deshalb der sinngemäße spirituelle Leitsatz:

“Ich kann nichts für dich tun, außer an mir selbst zu arbeiten.

Du kannst nichts für mich tun, außer an dir selbst zu arbeiten.”

Diese Weisheit ist sehr mächtig und wertvoll, denn sie besagt, dass echte Hilfe durch Selbstverantwortung und Vorbild erreicht wird. Menschen, die sich auf ihr eigenes inneres Wohlergehen konzentrieren, werden in unserer Gesellschaft oftmals als selbstsüchtig bezeichnet. Doch dieser Glaube ist falsch. Unser wahrer Grund, den höchsten, dauerhaften inneren Frieden zu erlangen, ist, anderen zu helfen, das Gleiche zu tun. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir anderen nicht mehr helfen sollen. Manchmal können wir anderen helfen, indem wir ihnen Geld oder bessere materielle Umstände zur Verfügung stellen. Auf dem Weg zum inneren Frieden benötigt jeder Mensch eine gute körperliche Gesundheit sowie gewisse äußere Umstände wie Nahrung und eine angenehme Umgebung.

Wir sollten jedoch bedenken, dass die größte Hilfe, die wir bieten können, darin besteht, anderen dabei zu helfen, ihre Verblendungen zu überwinden und wahres, anhaltendes Glück in sich zu entdecken. Das Beste, was wir erreichen können, ist, Menschen in eine Situation zu bringen, die ihnen eine vorübergehende Atempause von ihren Problemen und Schwierigkeiten ermöglicht. Wahres, anhaltendes Glück können wir ihnen jedoch nicht geben. Denn die wahre Ursache von Glück ist innerer Frieden und der ist nur im eigenen Geist, nicht in äußeren Umständen zu finden.

Eine mitfühlende Verbundenheit in einer Gesellschaft zu leben, die auf Spaltung und Verblendung basiert, ist sehr herausfordernd. Tatsächlich ist es sehr schmerzhaft und erfordert Mut und Durchhaltevermögen, sich all diesen hier beschriebenen Wahrheiten zu stellen. Der Weg aus der Höhle ist extrem herausfordernd. Das Licht blendet, und die alte Ordnung zerbricht. Doch der Weg lohnt sich. Man beginnt, Wirklichkeit nicht länger aus Begehren, gesellschaftlichen Erwartungen und materiellen Besitztümern zu konstruieren, sondern aus direkter Erfahrung. Das Licht steht für einen neuen Modus des Seins. Doch kann diese Existenzweise nur aus einem selbst heraus entstehen. Deshalb ist es so schwer, andere von diesen Wahrheiten zu überzeugen. Auch das lehrt uns schon Platon. Als der Befreite in die Höhle zurückkehrt, um die anderen zu befreien, wird er ausgelacht und bedroht. Aus exogener Perspektive wirkt der indigene Mensch gefährlich und verrückt. Er kann die Schatten nicht mehr ernst nehmen und verweigert die Regeln des Spiels. Damit greift er das Weltbild eines jeden exogenen Menschen an. Die Höhlenmenschen verteidigen ihre Abhängigkeit. Sie fürchten den Verlust der äußeren Maßstäbe, weil sie nicht wissen, mit der inneren Quelle umzugehen. Das ist zutiefst nachvollziehbar und sollte auf Verständnis stoßen.