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Eine Einführung in das Konzept der Counter-Ökonomie
Agorismus 31. Dezember 2024 5 Min.

Eine Einführung in das Konzept der Counter-Ökonomie

Was ist Counter-Ökonomie und wie kann sie als Strategie für eine freiere Gesellschaft dienen?

Counter-Ökonomie Agorismus Freiheit Dezentralisierung

Die Strategie der Counter-Ökonomie wurde erstmals von Samuel Edward Konkin III in den frühen 1970er Jahren in den USA formuliert. Mit seinem Buch New Libertarian Manifesto bildete Konkin die Grundlage für das, was er als Schwarzmarkt-Anarchismus bezeichnete. Er entwickelte diese Ideen in seinem Buch An Agorist Primer weiter, was jedoch erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Konkin plante auch die Veröffentlichung eines weiteren Buches mit dem Titel Counter-Economics (Counter-Ökonomie), was mit dem Kommunistischem Manifest von Karl Marx konkurrieren sollte. Konkin starb vor der Beendigung des Buches und konnte nur die ersten sechs von 18 geplanten Kapitel fertigstellen. Die vorhandenen Kapitel und Notizen wurden nach seinem Tod von seinem Freund Victor Koman zusammengestellt und veröffentlicht. Das Buch ist mittlerweile auch in deutscher Sprache erhältlich und ist über unsere Buch Sektion zu finden. Das Buch untersucht unter einem historischen Kontext Themen wie Steuer-Counter-Ökonomie, internationale Counter-Ökonomie, sowjetische Counter-Ökonomie, Drogen-Counter-Ökonomie, Inflations-Counter-Ökonomie und Informations-Counter-Ökonomie.

Der Begriff Counter-Ökonomie wurde von Konkin mit Blick auf die Counter-Kultur der 1960er Jahre gewählt. Während die Counter-Kultur oder Gegenkultur die Werte des Establishments ablehnte, lehnt die Counter-Ökonomie die Wirtschaft des Establishments ab.

Konkin ermutigte Individuen zum Ausstieg aus dem Mainstream-Wirtschaftssystem. Er erkannte als einer der ersten modernen Denker, dass der unregulierte Markt tatsächlich der größte Markt der Welt ist. Manchmal als “System-D”, alternative oder informelle Wirtschaft bezeichnet, hat dieser nicht besteuerte und unregulierte Markt einen Wert von Billionen von Dollar.

Die Counter-Ökonomie konzentriert sich auf Handlungen, die sich dem Staat entziehen, ihm ausweichen und sich ihm widersetzen und ist somit eine zentrale Strategie des philosophischen Agorismus. Durch die Schaffung alternativer Systeme außerhalb staatlicher Kontrolle soll der Staat entmachtet und die Freiheit der Menschen bewahrt werden. Konkin erkannte, dass wenn immer eine Regierung oder ein König in der menschlichen Geschichte ein Verbot versucht hat durchzusetzen — sei es bei Drogen, Alkohol, Glücksspiel, Sex oder Büchern —, führte dies unbeabsichtigt zu einem Wachstum der Counter-Ökonomie. Umso mehr der Staat in das tägliche Leben der Menschen eingreift, umso größer wird die Counter-Ökonomie. Die Beteiligung einer zunehmend wachsenden Anzahl an Menschen an counter-ökonomischen Aktivitäten führt im Umkehrschluss zu schwindender Macht des Staates. Die Counter-Ökonomie ist eine Möglichkeit den Staat zu entmachten und die Freiheit der Menschen zu bewahren.

Konkin bezeichnete das als “Die Theorie und Praxis aller menschlichen Handlungen, die weder vom Staat akzeptiert werden noch jegliche andere initiierende Gewalt oder Gewaltandrohung beinhalten.” Im Laufe der Jahre verfeinerte Konkin kontinuierlich sein Verständnis und seine Schreibweise zu diesem Thema und lieferte dabei mehrere Definitionen und Hintergrundinformationen zur Counter-Ökonomie. Hier ein paar Beispiele:

Counter-Ökonomie ist eine Erklärung dafür, wie Menschen ihren Reichtum und ihr Eigentum vor dem Staat schützen. Die tatsächlichen menschlichen Handlungen, um dem Staat auszuweichen, ihn zu vermeiden und ihm zu trotzen, können als counter-ökonomische Aktivitäten bezeichnet werden. Da dieser Text selbst counter-ökonomische Theorie ist, wird mit Counter-Ökonomie die Praxis gemeint sein. [The New Libertarian Manifesto]

Ein Counter-Ökonom ist (1) jemand, der eine counter-ökonomische Handlung ausführt, (2) jemand, der solche Handlungen studiert. Counter-Ökonomie ist die (1) Praxis und (2) das Studium von counter-ökonomischen Handlungen. [An Agorist Primer]

Counter-Ökonomie bedeutet das zu tun, was man will, wann man will und aus eigenen guten Gründen. [Counter-Economics]

Counter-Ökonomie klingt wie Counter-Kultur; tatsächlich wurde der Begriff in diesem Sinne gewählt. Während die Gegenkultur in den 1960er Jahren die “Kultur” des Establishments und ihre Werte ablehnte, lehnen die Counter-Ökonomen die Wirtschaft des Establishments als genauso korrupt ab. Ein Großteil der Gegenkultur war counter-ökonomisch, ein Großteil aber auch nicht. Anti-Ökonomie ist nicht Counter-Ökonomie; tatsächlich wurde Counter-Ökonomie als Theorie aus einer Art orthodoxer Rebellion gegen eine häretische, unreine, etablierte Wirtschaft entwickelt. [Hervorhebung von mir] [Counter-Economics]

Die Counter-Ökonomie ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein soziales und politisches Phänomen und geht Hand in Hand mit der Philosophie des Agorismus. Sie ist eine Herausforderung an die Autorität des Staates und ein Versuch, alternative Systeme aufzubauen, die auf freiwilligem Austausch und individueller Freiheit basieren. Sie ist ein praktischer Weg für den Einzelnen, aus staatlich kontrollierten Systemen auszusteigen und sein Handeln mit seinen Werten in Einklang zu bringen.

Bist du ein Counter-Ökonom?

Ein Counter-Ökonom zu sein bedeutet also Wege außerhalb des Systems zu finden, sobald man auf Hindernisse für die eigene Freiheit und Gesundheit stößt. Das kann die Verwendung alternativer Währungen gegenüber dem gesetzlich vorgeschriebenen Zahlungsmittel, die Nutzung von Gemeinschaftsgärten, der Aufbau unabhängiger Medienprojekte oder die Schaffung alternativer Bildungsprogramme sein.

In Wahrheit existiert die Counter-Ökonomie bereits um dich herum. Sobald man einen Nachbarn für das Rasenmähen oder für handwerkliche Arbeiten in bar bezahlt, nimmt man an der Counter-Ökonomie teil. Die Transaktion beinhaltet keine Steuerzahlungen an den Staat und die Verwendung von Bargeld macht sie zu einer nicht digitalen, nicht rückverfolgbaren Transaktion. Wenn du jemals auf einem Flohmarkt, einem Trödelmarkt oder einem temporären Geschäft eingekauft hast und keine Steuern gezahlt hast — oder vielleicht sogar mit einer alternativen Währung bezahlt hast — dann warst du ein Counter-Ökonom. Natürlich haben die meisten Menschen, die an der Counter-/Untergrund-/Alternativwirtschaft teilnehmen, noch nie von Konkin gehört und erkennen nicht das Potenzial der Counter-Ökonomie. Konkin glaubte, dass eine Bewusstseins- und Wahrnehmungssteigerung über die Macht der Counter-Ökonomie eine Massenbewegung von Menschen schaffen könnte, die das System verlassen und neue Lebensweisen außerhalb des Technokratischen Staates aufbauen.

Counter-Ökonomie ist nicht gleich Schwarzmarkt

Die Counter-Ökonomie gilt im 21. Jahrhundert aufgrund der zunehmenden totalitären Praktiken vieler Regierungen auf der ganzen Welt wieder einmal als wachsendes Phänomen. Sie umfasst dabei ein breites Spektrum von Aktivitäten, von der Steuerhinterziehung bis hin zu alternativen Währungen. Sie ist eine praktische Möglichkeit für den Einzelnen, sich staatlich kontrollierten Systemen zu entziehen und sein Handeln mit seinen Werten in Einklang zu bringen. Das Wachstum der Counter-Ökonomie ist dabei eine direkte Folge staatlicher Eingriffe. Jeder Eingriff des Staates in den freien Markt schafft eine neue Gelegenheit für Unternehmer, die Nachfrage zu bedienen, die der Staat verbietet oder reguliert. Der Staat wird als Hindernis für den freien Austausch angesehen und daher umgangen oder missachtet.

Die Counter-Ökonomie ist jedoch nicht mit der Schattenwirtschaft oder dem Schwarzmarkt gleichzusetzen. Während sich die Schattenwirtschaft hauptsächlich auf Steuerhinterziehung und nicht deklariertes Einkommen konzentriert, umfasst die Counter-Ökonomie alle menschlichen Aktivitäten, die ohne staatliche Genehmigung stattfinden. Darüber hinaus ist die Philosophie des Agorismus mit seiner ökonomischen Strategie der Counter-Ökonomie im Kern gewaltfrei und basiert auf völliger Freiwilligkeit. So sind zwar viele Handlungen auf dem Schwarzmarkt counter-ökonomisch, nicht aber der Schwarzmarkt an sich.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Geschichte der Counter-Ökonomie in Konkins Kritik am Staat und der Entwicklung einer Strategie zur Erreichung einer staatenlosen Gesellschaft durch freiwilliges Handeln und freien Austausch wurzelt. Obwohl seine Ideen in den 1970er und 1980er Jahren entwickelt wurden, sind sie nach wie vor relevant und inspirieren weiterhin diejenigen, die nach Alternativen zur staatlichen Kontrolle suchen.

Ein Counter-Ökonom ist jeder, der eine counter-ökonomische Handlung praktiziert oder solche Handlungen studiert. Dazu gehört jede menschliche Handlung, die ohne die Zustimmung des Staates durchgeführt wird. Da Gesetze fast jede menschliche Aktivität regeln, muss jeder in gewissem Maße Gesetze beugen oder brechen, nur um zu existieren. Das bedeutet, dass jeder Mensch in gewisser Weise ein Counter-Ökonom ist. Diese Strategie kann von jedem überall auf der Welt praktiziert werden, unabhängig von seiner Herkunft oder politischen Zugehörigkeit.

Die Counter-Ökonomie ist sehr breit gefächert und umfasst verschiedene Aktivitäten wie:

  • Schwarz- & Graumärkte
  • Steuerverweigerung
  • Tauschhandel
  • Verwendung alternativer Währungen
  • Informelle Arbeit & Handel
  • Schmuggel
  • illegale Einwanderung
  • alternative Bildung & Medien
  • Gemeinschaftsgärten & Tauschnetzwerke
  • dezentrale Informationssysteme.

Die Motive für die Teilnahme an der Counter-Ökonomie können ebenso vielfältig und unterschiedlich sein. Einige dieser Motive sind:

  • Steuern & staatlicher Kontrolle zu entgehen
  • Vorschriften zu umgehen
  • sich vor Inflation zu schützen
  • Handlungen mit persönlichen Prinzipien und Werten in Einklang zu bringen
  • unbefriedigte Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen — die von der offiziellen Wirtschaft nicht erfüllt werden.