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Was ist Propaganda?
Politik & Gesellschaft27. Januar 202620 Min.

Was ist Propaganda?

Propaganda ist kein Relikt der Vergangenheit. Was Propaganda wirklich ist, wie sie sich von der Kirche über Public Relations bis zur kognitiven Kriegsführung entwickelte — und warum sie heute unsichtbarer denn je wirkt.

PropagandaGesellschaftskritikFreiheitKognitive KriegsführungPublic RelationsNaturrecht

In der öffentlichen Wahrnehmung westlicher Gesellschaften gilt Propaganda meist als Relikt der Vergangenheit. Wenn der Begriff überhaupt verwendet wird, dann meist zur Beschreibung der Machenschaften feindlicher Regime oder historischer Extrembeispiele aus dem 20. Jahrhundert. Doch kaum jemand ist in der Lage, diesen Begriff logisch zu beschreiben, ohne sich dabei auf bestimmte Personen, Epochen oder Institutionen zu berufen. Es ist jedoch entscheidend, die Mechanismen hinter diesem Begriff und die eigentliche Notwendigkeit von Propaganda richtig zu verstehen. Dieser Artikel liefert deshalb eine allgemeine Definition des Begriffs “Propaganda”, die sowohl orts- als auch zeitunabhängig angewendet werden kann. Und obwohl eine moderne theoretische Beschreibung als Ausgangspunkt dienen soll, wird der Begriff auf Grundlage seiner praktischen Entstehung und Anwendung beschrieben.

Wir werden den Begriff Propaganda dabei immer wieder aus der Perspektive des Naturrechts betrachten. Dieses besagt in Kurzfassung, dass alle Lebewesen mit dem Recht auf Selbstbestimmung geboren sind und daher das natürliche Recht besitzen, ihren eigenen Willen auszuüben, um in Souveränität und frei von Gewalt oder Zwang zu leben. Ich ermutige alle, die sich noch nicht mit dem universellen Konzept des Naturrechts beschäftigt haben, dies wohlwollend nachzuholen.

Moderne Begriffsdeutung und Wortherkunft

Der Begriff Propaganda stammt vom lateinischen Verb “propagare” ab und bedeutet so viel wie “ausbreiten, vermehren oder fortpflanzen”. Eine der gängigsten modernen Definitionen für Propaganda findet sich im deutschen Duden oder im Oxford Language Dictionary:

„Systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher oder ähnlicher Ideen und Meinungen mit dem Ziel, das allgemeine Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen.“

Die Formulierung “systematische Verbreitung” lässt dabei auf einen geplanten, koordinierten und zielgerichteten Prozess als Teil eines übergeordneten Systems schließen.

Ursprung

Laut offizieller Geschichtsschreibung geht die erste institutionelle Verwendung des Begriffs “Propaganda” auf das Jahr 1622 zurück. Damals gründete die katholische Kirche unter Papst Gregor XV die Sacra Congregatio de Propaganda Fide. Wörtlich bedeutet dies so viel wie “Heilige Kongregation für die zu verbreitenden Dinge des Glaubens”. Diese päpstliche Behörde hatte den expliziten Auftrag, den katholischen Glauben zentralisiert, koordiniert und systematisch zu verbreiten. Damit reagierte das Heilige Römische Reich auf die Phänomene jener Zeit. Die bisherige Deutungshoheit des Heiligen Römischen Reichs über Mitteleuropa begann in den vorangegangenen Jahrzehnten erheblich zu wanken.

Durch die Erfindung des Buchdrucks und die zunehmende Alphabetisierung der Bevölkerung entwickelte sich eine Öffentlichkeit, in der Informationen dezentral geteilt werden konnten. Somit wurde das zuvor einzig von oben nach unten vermittelte Weltbild vergleichbar und angreifbar. Das Volk war nun in der Lage, seine eigene Wahrheit über Flugschriften und Pamphlete auf reproduzierbare, vergleichbare, anonyme und überregionale Weise zu verbreiten. Beispiele für solche europaweit bekannten anti-autoritären Flugschriften sind „Das Narrenschiff“ von Sebastian Brant oder “Discours de la servitude volontaire” [Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen] von Etienne de La Boetie.

„Wenn ihr beschließt, nicht mehr zu dienen, dann seid ihr frei.“

— Etienne de La Boetie, Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen

Zudem nahmen die Machtstrukturen mit der Zeit immer repressivere Ausmaße an. Das zeigte sich beispielsweise in der Enteignung von Nutzungsrechten, höheren Abgaben und härteren Strafen. Diese Ausdehnung und Verdichtung der Machtstrukturen externer Autorität ist dabei kein Einzelfall, sondern eine logische Konsequenz. Eine machthabende Klasse von Menschen wird immer Interesse daran haben, mehr Macht zu erlangen. Keine institutionelle Autorität der Welt kann oder wird genau die Praktiken verbieten oder einschränken, auf denen ihre eigene Existenz basiert. Vielmehr wird sie immer versuchen, zu wachsen. Diese Mechanismen lassen sich orts- und zeitunabhängig beobachten. Zunehmende totalitäre Strukturen führen unweigerlich zu einer Bewusstseinssteigerung der unterdrückten Zielgruppe, da das unmoralische Herrschaftsverhältnis allmählich zu offensichtlich und zu schmerzhaft wird. Dies hat in weiterer Konsequenz Unruhen und Aufstände zur Folge.

Aus Sicht der katholischen Kirche hat der Augustinermönch und Priester Martin Luther dieses gesamte Spannungsverhältnis noch weiter eskaliert. Obwohl es sehr viel über die Kontroverse mit Luther zu sagen gibt, wollen wir es zum Zweck dieser Untersuchung so lang wie nötig und so kurz wie möglich halten. Als innerkirchlicher Akteur und Teil der katholischen Bildungselite erschütterte Martin Luther im Jahr 1517 mit seinen 95 Thesen das kirchliche Wahrheitsmonopol. Er übte indirekte Autoritätskritik und stellte viele Praktiken der katholischen Kirche infrage, ohne jedoch die grundlegenden Mechanismen von Macht und Kontrolle durch eine externe weltliche Autorität infrage zu stellen. Unabhängig von Luthers persönlicher Intention wirkte die Reformation letztendlich sogar strukturell stabilisierend und absorbierte die Spannungen seiner Zeit. Als Leitfigur eröffnete er mit seiner Zwei-Reiche-Lehre dem neuen staatlichen Machtmodell die Tür. Durch die Etablierung des Protestantismus als neue Staatsreligion konnten die vorhandenen radikal autonomen Kräfte und Ideen, wie sie beispielsweise durch Thomas Müntzer oder Sebastian Franck in Mitteleuropa vertreten, im Keim erstickt werden. Die grundlegenden strukturellen Machtverhältnisse blieben zudem bestehen; lediglich die Begründung von Herrschaft wurde so angepasst, dass sie von der unterdrückten Zielgruppe — dem Volk — wieder akzeptiert wurde. Die Reformation entschärfte die potenzielle soziale Sprengkraft einer wahren Evolution dieser Zeit, ohne eine tatsächliche Machtumverteilung zuzulassen. Abgaben, Frondienste und Gehorsam liefen ab sofort unter anderen Vorzeichen und mit anderer Begrifflichkeit ab, bestanden jedoch weiterhin.

Im Jahr 1622 reagierte die katholische Kirche auf die beschriebenen sozialen Umwälzungen und den Geist der Zeit, indem sie die Sacra Congregatio de Propaganda Fide gründete. Diese Behörde sollte den Protestantismus als konkurrierendes Glaubenssystem auf systematische und strukturierte Weise bekämpfen und die eigene Lehre sprachlich, kulturell und strategisch an unterschiedliche Kontexte anpassen. Dabei ging die Kirche offen und selbstbewusst mit der Tatsache um, dass sie das Weltbild anderer Menschen gezielt beeinflussen wollte, um ihren Herrschaftsanspruch durchzusetzen.

Nichtsdestotrotz verlagerte sich die externe Autorität im 18. und 19. Jahrhundert zunehmend vom religiösen in den politischen Raum. Zentralisierte religiöse Institutionen verloren ihre Autorität, da eine sakrale Wahrheit nicht mehr ausreichte, um Herrschaft zu legitimieren. Durch das gesteigerte öffentliche Bewusstsein entwickelte sich der moderne Staat zu einem zunehmend wirksameren Autoritätsmodell, wodurch die grundlegenden Machtstrukturen aufrechterhalten wurden. Somit wurde der Ketzer zum Staatsfeind, der Priester zum Beamten und die Sünde zur Straftat.

Moderne Nationalstaaten traten an die Stelle der Kirche als zentrale Wahrheits- und Ordnungsmacht. Schulbücher ersetzten Predigten als das langfristig wirksamste Mittel zur Wahrheitsvermittlung. In Preußen etwa wurde das staatliche Bildungswesen gezielt ausgebaut, um Loyalität, Disziplin und Pflichtbewusstsein zu fördern. Geschichtsbücher erzählten eine lineare nationale Geschichte, in der der Staat als natürlicher Höhepunkt der historischen Entwicklung erschien. Die religiöse Heilsgeschichte wurde durch die nationale Fortschrittsgeschichte ersetzt.

Erst im frühen 20. Jahrhundert, als staatliche Propaganda durch die beiden Weltkriege industriell, zentralisiert und psychologisch systematisch eingesetzt wurde, erhielt der Begriff seine negative Konnotation. Auch hier können wir festhalten, dass die zunehmend übertriebene und totalitäre Anwendung von Propaganda in Form von gezielter Desinformation, Zensur, Feindbildern und Kriegshetze zu einer Bewusstseinssteigerung der unterdrückten Zielgruppe geführt hat. Nach Kriegsende erkannte die Öffentlichkeit, dass ihre Wahrnehmung gezielt manipuliert worden war.

Als was genau ist dann Propaganda?

Zunächst können wir konstatieren, dass Propaganda stets mit einer institutionellen, zentralisierten Machtstruktur einhergeht. In Mitteleuropa war das zunächst die katholische Kirche und später die daraus entstandenen Nationalstaaten. In beiden Fällen handelt es sich um eine externe Autorität, die dem Volk ein Weltbild vorgibt. Da weder Staat noch Kirche als eigenständige Akteure existieren, sind es immer konkrete elitäre Menschengruppen, die im Namen dieser Institutionen Wahrheit definieren und Macht ausüben. Diese Menschen argumentieren stets, dass sie im Namen einer größeren Sache – göttliche Ordnung, Allgemeinwohl, öffentliche Ordnung etc. – handeln. Diese externe Autorität definiert Regeln und Normen, die auf Zwang und Nötigung basieren. Unter der Annahme des Naturrechts als normativem Maßstab handelt es sich deshalb immer um ein unmoralisches und unnatürliches Konstrukt.

Um eine solche von außen vorgegebene Ordnung langfristig aufrechtzuerhalten, ohne permanent Gewalt anzuwenden, bedarf es einer systematischen Steuerung von Wahrnehmung, Bedeutung und Verhalten. Genau hier liegt die funktionale Rolle der Propaganda. Dabei besteht eine direkte Abhängigkeit zwischen dem öffentlichen Bewusstsein der Zielgruppe hinsichtlich des Aufbaus und der Funktionsweise der gegenwärtigen Machtstruktur und der Art und Weise, wie Propaganda umgesetzt werden muss. Je größer das öffentliche Bewusstsein ist, desto subtiler muss die Propaganda sein.

Auf Basis dieser Untersuchung lässt sich folgende universelle Definition für den Begriff Propaganda festhalten:

„Propaganda ist die systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher oder ähnlicher Ideen und Meinungen mit dem Ziel, im Namen einer selbsternannten höheren Autorität einen dauerhaften Macht- und Steuerungsanspruch über eine Zielgruppe zu erheben, wobei das allgemeine Bewusstsein der Zielgruppe so beeinflusst wird, dass es dieser externen Autorität Loyalität und Legitimation entgegenbringt. Je größer das öffentliche Bewusstsein der Zielgruppe gegenüber diesen unmoralischen Machtstrukturen ist, umso subtiler müssen die Techniken der Propaganda angewendet werden.“

Propaganda ist somit kein historischer Ausnahmezustand, sondern eine dauerhafte Funktionsbedingung moderner Machtstrukturen. Sie beschreibt die Notwendigkeit jeder organisierten Religion oder Regierung. Aus Sicht des Naturrechts stellt Propaganda somit die unterdrückenden und unmoralischen Machtverhältnisse als unumgängliches Werkzeug scheinbar moderner Gesellschaften dar.

Propaganda ist auch nicht ausschließlich ein grobes Instrument autoritärer Regime. Ihre wahre Natur liegt in ihrer stetigen Anpassungsfähigkeit und Zweckmäßigkeit. Diese Zweckmäßigkeit endet nur durch die Überwindung einer gesellschaftlich akzeptierten externen Autorität. Die Machthabenden werden ihren Machtanspruch jedoch stets als notwendiges Übel für eine zivilisierte Gesellschaft verkaufen.

Propaganda im Wandel der Zeit

Im 19. und 20. Jahrhundert brachte die Industrialisierung erhebliche strukturelle Veränderungen in Europa mit sich. Millionen von Menschen zogen aus ländlichen Regionen in die Städte, wo sie räumlich konzentriert und sozial heterogen zusammenlebten. Diese sich entwickelnde anonyme und austauschbare Massengesellschaft basierte nicht mehr auf den traditionellen sozialen Bindungsstrukturen agrarischer Gesellschaften. In ländlichen Gesellschaften lebten Menschen meist ihr ganzes Leben im gleichen Dorf oder in der gleichen Region. Man kannte seine Nachbarn und riskierte bei Abweichung von gesellschaftlichen Normen Ausgrenzung und Rufverlust. Dieser soziale Druck sank in der anonymen Massengesellschaft der Stadt bedeutend. Die persönliche Loyalität des Einzelnen gegenüber der staatlichen Autorität musste somit immer mehr über eine kollektive Wahrnehmungssteuerung sichergestellt werden. Die entsprechenden strukturellen Voraussetzungen dafür wurden gleichzeitig über die industrielle Massenkommunikation mittels Radio, Fernsehen und Zeitungen geschaffen.

Public Relations

Tatsächlich haben die Erkenntnisse der Massenpsychologie im 20. Jahrhundert das Forschungsfeld der Propaganda für Regierungen, Militärs und später auch Konzerne erheblich erweitert. Neue wissenschaftliche Theorien über Gruppenverhalten, Emotionen, Autorität und kollektive Wahrnehmung professionalisierten die bewusste Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen.

Die beiden Weltkriege markierten dabei eine entscheidende Zeitenwende in der Anwendung und Wahrnehmung von Propaganda. Schätzungsweise haben annähernd 100 Millionen Menschen durch direkte Kriegsfolgen oder indirekt durch Hunger, Krankheit oder Vertreibung ihr Leben verloren. Entsprechend liegt die Zahl derer, die in dieser prägenden Zeit traumatische und schmerzhafte Erfahrungen durchlebten, um ein Vielfaches höher. Die Völker aller beteiligten Allianzen wurden mit Staatspropaganda überschüttet. Eine noch nie dagewesene, systematische Gleichschaltung und mediale Dauerbeschallung füllten die öffentliche Wahrnehmung jener Zeit mit Hass, Angst und Spaltung.

Diese offene Gehirnwäsche war so schmerzhaft und einprägsam in ihrer endgültigen Konsequenz, dass der Begriff Propaganda und die damit verbundenen Praktiken im öffentlichen Diskurs untrennbar negativ kontaminiert waren. Das öffentliche Bewusstsein blickte durch kollektiven Schmerz tief in das totalitäre Gesicht staatlicher Machtstrukturen. In der Folge kam es wie schon während der Bauernproteste zu Zeiten der Reformation zu verstärkten Gegenbewegungen mit zahlreichen autonomen und staatskritischen Strömungen. Diese interpretierten den übersteigerten Staatsglauben, Nationalismus und Autoritätsgehorsam als zentrale Ursachen der Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Zu den bekannten Namen dieser Strömungen zählen u. a. Emma Goldman, Hannah Arendt oder Albert Camus.

„Es ist irrelevant ob sich eine Regierung auf ein gottgegebenes Recht beruft oder auf den Willen einer Mehrheit. Das Ziel ist stets die absolute Unterwerfung des Individuums.“

— Emma Goldman

Infolgedessen musste Propaganda als Mittel zur manipulativen Beeinflussung gesellschaftlicher Wahrnehmung in ein neues Gewand gehüllt werden, wollte man die bestehenden Machtstrukturen weiterhin legitimieren. Dieses neue Gewand wurde in den 1920er Jahren durch die Arbeit von Edward Bernays als Public Relations weltweit popularisiert. Auch wenn er weder die erste noch die einzige Persönlichkeit von öffentlichem Interesse war, der diesen Begriff prägte, so kann man anhand seiner Arbeit und Reichweite die Entwicklung jener Zeit gut nachvollziehen. Bernays war der Neffe von Sigmund Freud und gehörte der neuen einflussreichen Bildungselite jener Zeit an. Er war hervorragend über die Funktionsweise der Massenpsychologie unterrichtet und sammelte während des Ersten Weltkriegs als Vertreter der amerikanischen Kriegspropagandabehörde (U.S. Committee on Public Information) wertvolle praktische Erfahrungen. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass sich Bernays und seine Mitstreiter ihrer Rolle bewusst waren. Vielmehr agierten sie als Produkt der vorherrschenden Weltanschauung, geprägt von moralischem Selektivismus, Elitedenken und einer exogenen Lebensweise.

Das ist im Fall von Edward Bernays durch sein im Jahre 1928 veröffentlichtes Buch mit dem passenden Titel Propaganda eindeutig nachvollziehbar. Er gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter moderner staatlicher und wirtschaftlicher Manipulations- und Steuerungstechniken. Folgend einige Zeilen aus seinem Buch, welche seine Motivation und seinen Standpunkt verdeutlichen:

„Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in einer demokratischen Gesellschaft. Diejenigen, die diesen Mechanismus manipulieren, bilden eine unsichtbare Regierung und sind die eigentliche herrschende Macht in unserem Land.“

— Edward Bernays, Propaganda [S. 9]

„Früher waren Machthaber Anführer. Sie legten den Lauf der Geschichte fest, indem sie taten, was sie wollten. Wenn die heutigen Nachfolger der Herrscher – diejenigen, die aufgrund ihrer Position oder Fähigkeiten Macht haben – nicht mehr tun können, was sie wollen, ohne die Zustimmung der Massen zu erhalten, dann finden sie in der Propaganda ein immer mächtigeres Instrument, um diese Zustimmung zu erlangen. Daher ist die Propaganda hier, um zu bleiben.“

— Edward Bernays, Propaganda [S. 27]

„Aufgrund der zunehmenden Komplexität des modernen Lebens und der daraus resultierenden Notwendigkeit, die Handlungen eines Teils der Öffentlichkeit für andere Teile der Öffentlichkeit verständlich zu machen, ist der neue Beruf der Public Relations entstanden. Er ist auch auf die zunehmende Abhängigkeit organisierter Macht aller Art von der öffentlichen Meinung zurückzuführen. Regierungen – ob monarchisch, konstitutionell, demokratisch oder kommunistisch – sind für den Erfolg ihrer Bemühungen auf die Zustimmung der Öffentlichkeit angewiesen. Tatsächlich existiert eine Regierung nur aufgrund der Zustimmung der Öffentlichkeit.“

— Edward Bernays, Propaganda [S. 37]

„Ein Propagandist muss die wahren Motive verstehen und darf sich nicht damit begnügen, die Gründe zu akzeptieren, die Menschen für ihr Handeln angeben. Es reicht nicht aus, nur die mechanische Struktur der Gesellschaft, die Gruppierungen, Spaltungen und Loyalitäten zu verstehen. Ein Ingenieur mag alles über die Zylinder und Kolben einer Lokomotive wissen, aber wenn er nicht weiß, wie sich Dampf unter Druck verhält, kann er seine Maschine nicht zum Laufen bringen. Die menschlichen Begierden sind der Dampf, der die soziale Maschine antreibt. Nur wenn der Propagandist sie versteht, kann er diesen riesigen, lose verbundenen Mechanismus kontrollieren, der die moderne Gesellschaft darstellt.“

— Edward Bernays, Propaganda [S. 52]

Bernays war überzeugt, dass der einfache Mensch zu ungebildet sei, um eigene Entscheidungen zu treffen. Deshalb müsse eine selbsternannte intellektuelle Elite die Öffentlichkeit mittels Manipulation führen und lenken. Er rechtfertigte diesen unmoralischen Machtanspruch mit ethischen Grundprinzipien. Was das genau bedeutete, zeigt sich beispielsweise durch die Analyse seiner Zusammenarbeit mit der United Fruit Company und dem gewaltsamen Umsturz in Guatemala. Diese erfolgreiche PR-Strategie hatte einen jahrelangen Bürgerkrieg zur Folge, in dem vor allem indigene Menschen starben.

Bernays und seine Mitstreiter transformierten die abgenutzten Propagandamethoden von einem offen und selbstbewusst agierenden Staatsmodell zu einem System, das subtiler agiert und demokratisch anmutet. Dabei hüllte er die zur Steuerung und Manipulation der Bevölkerung notwendigen Mittel in ein neues, effizienteres Gewand. Seine größte Innovation war der Wandel von reiner politischer Propaganda zu einer universellen gesellschaftlichen Meinungssteuerung. Er erkannte als einer der ersten Vordenker seiner Zeit, dass es effizienter ist, Propagandatechniken in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext anzuwenden, statt die Massen allein durch staatliche und institutionell organisierte Propaganda zu lenken. Public Relations wurde somit zur Wirtschaftsstrategie, zur Regierungskommunikation und zur Kultursteuerung. Menschen, die in einer exogenen Existenzweise ihre Aufmerksamkeit nach außen richten und auf Konsum, Status und Prestige aus sind, lassen sich einfacher steuern und kontrollieren. Gängige Mittel der Manipulation waren für ihn die Inszenierung von Autorität, emotionale Symbolpolitik oder die Steuerung der Medien. Diese Techniken prägen bis heute die moderne Welt von Macht und Kapital.

Er verwässerte zudem Propaganda als Begrifflichkeit, indem er es für jegliche organisierte Anstrengung zur Verbreitung einer bestimmten Doktrin verwendete. Er erkannte richtigerweise, dass man die Techniken zur Manipulation des menschlichen Bewusstseins in allen Bereichen von gesellschaftlicher Relevanz anwenden kann. Und natürlich sind die gesellschaftlichen Machtstrukturen auch untrennbar mit dem Finanzwesen oder dem Bildungswesen verbunden. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen Freiwilligkeit und Zwang. Man kann manipulative Techniken anwenden, um zur Selbstbereicherung ein bestimmtes Produkt zu verkaufen. Man kann die gleichen manipulativen Techniken gegenüber der gleichen Zielgruppe anwenden, um zur Selbstbereicherung einer herrschenden Klasse eine bestimmte gesellschaftliche Machtstruktur zu legitimieren. Im ersten Beispiel hat die Zielgruppe die Wahl, das Produkt zu konsumieren. Im zweiten Beispiel wird die Loyalität der Zielgruppe im Notfall mit Gewalt und Nötigung erzwungen. Man kann also mit Propagandatechniken alle möglichen Ideen bewerben, jedoch nur autoritäre Machtstrukturen propagieren. Leider ging dieser entscheidende Unterschied in der öffentlichen Wahrnehmung von Propaganda durch diese neuen Entwicklungen rund um Public Relations verloren.

Denkfabriken als notwendiges Bindeglied

Ein weiterer nennenswerter Aspekt in der Weiterentwicklung institutioneller Kontrollmechanismen zur Aufrechterhaltung bestehender Machtverhältnisse ist das globale Aufkommen sogenannter Think Tanks. Historische Beispiele hierfür sind das Council on Foreign Relations (gegründet 1921, USA), das Royal Institute of International Affairs (1920, Großbritannien) oder die Stiftung Wissenschaft und Politik (1962, Deutschland). Think Tanks waren und sind mächtige Denkfabriken, die zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung gegründet werden. Sie werden formal von einflussreichen Stiftungen, Konzernen und Regierungsprogrammen finanziert und stellen das notwendige Bindeglied zwischen Netzwerken aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien dar. Im Gegensatz zu den etablierten institutionellen Methoden können solche unabhängig anmutenden Denkfabriken Botschaften objektiver erscheinen lassen und ermöglichen somit eine langfristigere Planung von Politik und gesellschaftlicher Entwicklung.

Propaganda im 21. Jahrhundert

Nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges etablierte sich der Begriff des Informationskriegs zwischen den rivalisierenden Mächten. Eine theoretische Grundlage für diese Entwicklung formulierte der amerikanische Diplomat George Kennan im Jahr 1948 mit seinem Konzept des „Political Warfare“, was er in einem internen Memorandum dem US-Außenminister unterbreitete. Darin beschrieb Kennan politische Konflikte als dauerhaften Wettbewerb unterhalb der militärischen Schwelle. Dieser sollte demnach über Medien, kulturelle Einflussnahme, wirtschaftliche Netzwerke und institutionelle Kooperationen geführt werden. Er legitimierte darin auch den staatlichen Einsatz verdeckter Instrumente wie die Unterstützung oppositioneller Kräfte, Desinformation, Geheimdienstoperationen und psychologische Kriegsführung im Kampf um das sogenannte nationale Interesse. Das staatliche Interesse in Ost und West dient hierbei als Legitimation für alle notwendigen Maßnahmen, um die Loyalität des eigenen Volkes gegenüber den vorherrschenden Machtstrukturen im eigenen Land und darüber hinaus zu sichern. Um dabei den Schein objektiver Analyse und akademischer Neutralität zu wahren, liefen die Formen psychologischer Kriegsführung und öffentlicher Manipulation ab dieser Zeit meist unter neutraler oder wissenschaftlich anmutender Terminologie wie „Internationale Kommunikation“, „Meinungsforschung“ oder „Strategische Kommunikation“.

Hybrid Warfare

Ab Mitte der 2000er Jahre hielt der Begriff der „hybriden Kriegsführung“ (engl.: „Hybrid Warfare“) zunehmend Einzug in die Köpfe der intellektuellen Taktgeber staatlicher Propaganda. Dieses neue Konzept strebte eine noch intensivere Verschmelzung militärischer, wirtschaftlicher, politischer und kultureller Mittel an. Der US-Militäranalyst Frank G. Hoffman definierte „Hybrid Warfare“ im Jahr 2007 als die koordinierte und gleichzeitige Nutzung konventioneller Streitkräfte, irregulärer Akteure, Informationsoperationen, politischer Einflussnahme sowie wirtschaftlicher und psychologischer Mittel innerhalb eines einheitlichen strategischen Rahmens. Es geht hier oberflächlich um Einflussstrategien rivalisierender Staaten. Diese dienen zur Formung geopolitischer Machtstrukturen. Letztendlich geht es aber auch um die Steuerung der eigenen Bevölkerung. Durch dauerhafte Informationsreize, Polarisierung und die Erzeugung von Unsicherheit verlieren die Bürger den Überblick über das Geschehen um sie herum. In diesem Zustand der Verunsicherung sucht ein jenes Volk natürlicherweise nach Sicherheit und Gewissheit und findet dies augenscheinlich in der präsentierten Wahrheit und der versprochenen Sicherheit der eigenen staatlichen Strukturen. Eine solche Gesellschaft basiert in der Konsequenz unweigerlich auf subtilen Mechanismen wie Selbstzensur, gesellschaftlicher Fragmentierung und Identitätskonflikten aus Angst vor neu aufkommender Ungewissheit und Unsicherheit. Spätestens ab dieser Zeit wurden Information, wirtschaftlicher Druck, gesellschaftliche Erwartungen und politische Einflussoperationen zu den entscheidenden strategischen Instrumenten moderner Macht.

Kognitive Kriegsführung

Die jüngste Eskalationsstufe staatlicher Propaganda ist die „Kognitive Kriegsführung“ (engl. „Cognitive Warfare“). Dabei steht nicht mehr nur die klassische Manipulation von Informationen im Vordergrund, sondern die gesamte Denkfähigkeit der Bevölkerung. Mithilfe von Algorithmen, Dauerempörung, Fragmentierung und Emotionalisierung soll die Zielgruppe durch eine permanente Reizüberflutung vollständig destabilisiert werden. Die Bürger sollen nicht mehr von einer staatlichen Wahrheit überzeugt werden müssen, sondern angesichts der überwältigenden Informationsflut resignieren. Ein solcher desorientierter Mensch stellt keine Fragen mehr nach der Wahrheit, sondern sucht nur noch Zugehörigkeit und Sicherheit.

Der Propagandaforscher Jonas Tögel hat unter dem Titel Kognitive Kriegsführung ein ganzes Buch über diesen neuen, allumfassenden Krieg geschrieben. Der Begriff stammt dabei aus der Sicherheits- und Zukunftsforschung der NATO. In einem im April 2025 in Kooperation mit der European Defence and Security Conference veröffentlichten Forschungsbericht mit dem Titel „Cognitive Warfare – The Human Mind as the New Battlefield“ schreibt die NATO ganz offen über ihre Bemühungen:

„Der Begriff „Kognitive Kriegsführung“ bezeichnet ein sich sowohl im akademischen als auch im militärischen Bereich entwickelndes Konzept. Es zielt darauf ab, menschliche Kognition und Technologie zu nutzen, um menschliche Entscheidungsprozesse zu stören, zu schwächen, zu manipulieren oder zu verändern. Bislang haben weder das Militär noch die akademische Gemeinschaft ein vollständig ausgereiftes Konzept der kognitiven Kriegsführung etabliert. In diesem Zusammenhang gab das NATO Allied Command Transformation im Juli 2024 bekannt, dass Anstrengungen zur Schaffung eines solchen Konzepts im Gange seien.“ (S. 88)

In einer offiziellen Publikation aus dem Dezember 2025 wird der Begriff auch im Zusammenhang mit der zivilen Bevölkerung vonseiten der NATO verwendet:

„Kognitive Kriegsführung zielt darauf ab, Facetten der Wahrnehmung auszunutzen, um menschliche Entscheidungsprozesse zu stören, zu untergraben, zu beeinflussen oder zu modifizieren, indem menschliches Verhalten und Wahrnehmung mit allen Mitteln und unter Nutzung technologischer Fortschritte verändert werden. Dabei kommen militärische und nichtmilitärische Taktiken zum Einsatz, die sich sowohl gegen militärische Akteure als auch gegen die zivile Bevölkerung im gesamten Krisenspektrum richten.“

Dabei sind die westlichen Regierungen keineswegs die ersten oder einzigen Staaten, die sich mit solchem Gedankengut und Forschungsdrang beschäftigen. Ähnliche Konzepte sind in der chinesischen Militärtheorie als „Three Warfares“ bekannt. Tatsächlich nimmt die chinesische Regierung eine Vorreiterrolle ein. Bereits im Jahr 2003 führte China die Konzepte der öffentlichen Meinungskriegsführung, der psychologischen Kriegsführung und der Rechtskriegsführung ein, als es die „Richtlinien für die politische Arbeit der Volksbefreiungsarmee“ überarbeitete. Die chinesische Überwachungstechnologie – von Gesichtserkennungssoftware bis hin zu Smart ID-Cards – ist mittlerweile ein weltweiter Exportschlager. Dabei lassen sich Regierungen aus aller Welt vom chinesischen Modell eines totalitären Überwachungsstaates inspirieren.

Auch in russischen Strategiepapieren wird deutlich, dass Informationskriegsführung und der Informationsbereich als zentrale Elemente des russischen Militär- und Sicherheitsdenkens betrachtet werden. Ähnliche Bemühungen sind beispielsweise auch bei der australischen Regierung zu beobachten. Es handelt sich hierbei um ein universelles Forschungsfeld aller Staaten und Regierungen dieser Welt. Denn logischerweise hat jeder Machthabende Interesse, noch mehr Macht zu haben.

Dabei haben alle Militärbündnisse und Regierungen eines gemeinsam. Die Praktiken der kognitiven Kriegsführung werden von offizieller Seite immer nur von anderen Staaten praktiziert, weshalb man logischerweise gezwungen sei, dieses Forschungsfeld zu eröffnen, um sich vor den bösen Machenschaften anderer Staaten zu schützen. Selbstredend sei dazu angemerkt, dass keine Regierung der Welt solche Taktiken offiziell gegen die eigene Bevölkerung einsetzt. Wer jedoch die Natur der herrschenden Machtstrukturen unserer Welt verstanden hat, erkennt das logische Eigeninteresse aller Regierungen an der Ausdehnung und Intensivierung von Kontrolle und Überwachung im eigenen Herrschaftsgebiet. Warum sollte man die eigenen Erkenntnisse und technologischen Mittel also nicht nutzen? Dabei steht jeder Bürger im Fokus dieser neuen kognitiven Kriegsführung.

Die Informationsrevolution als Schlüsselrolle

Letztendlich stehen die jüngsten Entwicklungen staatlicher Propaganda in engem Zusammenhang mit der Informationsrevolution und der Etablierung des Internets im 21. Jahrhundert. In der Zeit vor dem „World Wide Web“ besaßen staatliche Institutionen eine allgemeine Informationshoheit. Es war einfach, eine bestimmte Botschaft über Rundfunk, Zeitungen, Fernsehen und andere Kanäle zu verbreiten. Es war hingegen schwierig, diese Botschaft kritisch zu hinterfragen oder Zugang zu regierungs- oder kriegskritischen Informationen zu erhalten. Regierungen konnten unliebsame Medien sanktionieren, diffamieren und regulieren. Dazu musste jeder Staat lediglich die Kontrolle über die zentral gesteuerten Medienhäuser im eigenen Land bewahren. Wie das in Deutschland aussah und immer noch aussieht, haben wir in unserer Research-Analyse ausgiebig untersucht.

Mit der zunehmenden Dezentralisierung der Informationsbeschaffung durch das Internet verschob sich dieses Machtverhältnis. Mittlerweile besitzen über 80 Prozent der Weltbevölkerung ein Smartphone und können sich vergleichsweise frei informieren. Mit wenigen Klicks hat jeder einzelne Bürger Zugriff auf Informationen, welche die Deutungshoheit von Regierungen und anderen zentralisierten Institutionen infrage stellen. Diese Entwicklungen erfordern eine Neuausrichtung und Erweiterung staatlicher Propaganda. Dieses Umfeld erfordert kognitive Kriegsführung.

Gleichzeitig bieten das Internet der Dinge (IoT) und der technische Fortschritt in Form von Smartphones, Überwachungskameras, künstlicher Intelligenz, Smart Homes, Digitalwährungen und Gesichtserkennungssoftware noch nie dagewesene Möglichkeiten zur Steuerung und Überwachung der Bevölkerung.

In ihrem Buch „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ beschreibt die Ökonomin Shoshana Zuboff den digitalen „Schattentext“, den Menschen bei der Nutzung von Smartphones und Computern hinterlassen. Diese Daten – zusammengefasst als Big Data – erlauben eine detaillierte Analyse menschlichen Verhaltens und können mithilfe von Algorithmen und KI auch für militärische oder politische Einflussstrategien genutzt werden. So erklärte der Manager des NATO Innovation Hubs, François du Cluzel, 2021, dass die Nutzung solcher Daten im Zentrum moderner militärischer Forschung stehe. Ziel sei es, das Verhalten von Individuen besser zu verstehen und gegebenenfalls zu beeinflussen.

Aus dieser Entwicklung entsteht die Idee eines „digitalen Zwillings“, der das psychologische Profil eines Menschen abbildet. Darauf aufbauend wirken sogenannte Soft-Power-Technologien. Der Politikwissenschaftler Joseph Nye beschreibt Soft Power als die Fähigkeit, andere dazu zu bringen, das zu tun, was man möchte – ohne Gewalt oder Zwang. Ein bekanntes Beispiel ist das Mikro-Targeting, das etwa durch das Unternehmen Cambridge Analytica genutzt wurde. Durch die Analyse großer Datenmengen konnten individuell zugeschnittene Botschaften erstellt werden, um das Verhalten von Wählern gezielt zu beeinflussen. Das Unternehmen geriet international in Kritik, nachdem bekannt wurde, dass Millionen Facebook-Daten zur Durchführung politischer Kampagnen und psychologischer Einflussoperationen verwendet wurden.

Inwieweit die Entwicklung und Bekanntmachung des Internets selbst im Interesse globaler Machtstrukturen stand, sei hier einmal in den Raum gestellt. Schließlich entstand das Internet aus der militärisch finanzierten Forschung der DARPA und lief anfangs unter dem Begriff „ARPANET“. Mehr dazu in „Surveillance Valley“ von Yasha Levine.

Fazit

In vorstaatlichen Zeiten konnten einzelne Gruppierungen das Leben von Millionen Menschen kontrollieren, indem sie behaupteten, dieses Recht von einer übernatürlichen Kraft erhalten zu haben. Als diese manipulative Behauptung aufgrund des wachsenden öffentlichen Bewusstseins nicht mehr funktionierte, musste die Gier nach Macht neue Erklärungen finden. Das Verlangen elitärer Kräfte, über Land und Gesellschaft zu herrschen, führte zu dem bis heute aktuellen politischen Paradigma. Der weltbekannte Mythos besagt, dass das „gemeine Volk“ Konzepte wie Regierungen, Militär und Behörden als Kompromiss für eine friedlichere Welt geschaffen habe. Tatsächlich wurden diese Ideen jedoch von Sophisten und Aristokraten populär gemacht, die von ihrer eigenen Überlegenheit überzeugt waren und der festen Meinung waren, dass das „gemeine Volk“ beherrscht und kontrolliert werden müsse. Die Geschichte zeigt, wie sich das öffentliche Bewusstsein Stück für Stück dieser Tatsachen bewusst wurde – mit unendlich viel Leid und Schmerz. Die Folge waren immer komplexere und subtilere Erklärungen und Strukturen autoritärer Macht, um die Massen in Schach zu halten.

Ideen wie der Sozialpakt, der Gesellschaftsvertrag, das nationale Interesse, das Allgemeinwohl, die Herrschaft der Mehrheit und die repräsentative Regierung haben das göttliche Recht der Könige und die Privilegien der Aristokraten ersetzt. In unserer modernen Kultur ist es notwendig, den einzelnen Bürger davon zu überzeugen, dass er über sich selbst bestimmt, um ihn effektiv beherrschen zu können. Aus diesem Grund ist die Rhetorik des sozialen Kontrollsystems, unter dem wir leben, voller Euphemismen, die den unterdrückerischen und gewalttätigen Charakter ihrer Existenz verschleiern. So wird die Bombardierung von Krankenhäusern oder Schulen als Verteidigungsschlag bezeichnet; ein Raubüberfall unter Androhung von Gewalt als Besteuerung; und Gruppierungen von Menschen, die die Herrschaft über bestimmte geografische Gebiete beanspruchen, als Regierungen. Alle Bemühungen, diese Herrschaftsstruktur einer externen Macht über das Leben aller anderen zu legitimieren, können dabei als Propaganda bezeichnet werden.

Propaganda ist heute allgegenwärtig – und zugleich unsichtbar. Sie wirkt nicht durch Verbote, sondern durch Bedeutungsverschiebung. Nicht durch Zwang, sondern durch moralische Rahmung. Nicht durch Überzeugung, sondern durch Begrenzung des Denkbaren. So verwandelte sich der Informationskrieg in eine kognitive Kriegsführung. Propaganda entwickelt sich somit von der Steuerung dessen, was Menschen denken sollen, hin zur Beeinflussung der Art und Weise, wie Menschen denken.

„Die stärkste und wirksamste Kraft, um die langfristige Aufrechterhaltung von Macht zu gewährleisten, ist nicht Gewalt in all ihren Formen, die von den Herrschenden eingesetzt wird, um die Beherrschten zu kontrollieren, sondern Zustimmung in all ihren Formen, in denen die Beherrschten sich mit ihrer eigenen Unterwerfung abfinden.“

— Mark Boyle, Drinking Molotov Cocktails with Gandhi

Wer Propaganda verstehen will, muss aufhören, sie nur bei den anderen zu suchen. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Propaganda existiert, sondern ob sie als solche erkannt wird.

Wer noch tiefere Einblicke in die potenzielle Zukunft staatlicher Überwachungs- und Propagandamethoden erhalten möchte, findet das beispielsweise bei Tom-Oliver Regenauer oder Jonas Tögel.


Hinweis: Dieser Artikel wurde im September 2026 überarbeitet und mit den anderen beiden Artikeln (Propaganda im Wandel der Zeit & Next-Level-Propaganda) zusammengeführt.

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